„PX-Familienberatung“: Beratung, die das Familiensystem mitdenkt – Aktion Mensch fördert fünfjährigen Aufbau

PRESSEMITTEILUNG vom 15.09.2026

Nachhaltige Veränderung gelingt selten, wenn Beratung nur bei der einzelnen Frau* ansetzt. Wir arbeiten mit Frauen*, die in Frankfurt und im Rhein‑Main‑Gebiet in der prekären Prostitution tätig sind und erleben im Alltag, dass die Lebensrealität unserer Klientinnen* fast immer ein Familiensystem umfasst: Partner*, Kinder und teils weitere Angehörige. Viele Frauen* tragen Verantwortung für mehrere Menschen und können Entscheidungen nicht isoliert davon treffen; oft spielen familiäre Abhängigkeiten, Schulden, Rechnungen oder Geldstrafen eine zentrale Rolle.

Viele dieser Familien leben unter prekären Bedingungen – unsichere Wohn- und Arbeitsverhältnisse, fehlende Deutschkenntnisse, problematische Familienstrukturen sowie ein erschwerter Zugang zu Sozial‑ und Gesundheitssystemen; insbesondere für Kinder bedeutet das häufig Einschränkungen in Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Flexible Beratung, Kinderangebote und verlässliche Wege durchs Hilfesystem

Genau deshalb bauen wir in den kommenden fünf Jahren eine Familienberatung auf, die das gesamte System in den Blick nimmt und Familien gezielt begleitet. Mit dem Projekt „Auf eigenen Wegen Chancen schaffen, Zukunft leben“ schaffen wir Rahmenbedingungen, die Teilhabe praktisch möglich machen: familiengerechte Terminplanung und Angebote für Kinder während der Beratung in unserer Anlaufstelle im Frankfurter Bahnhofsviertel, damit die Mütter* sich auf Gespräche konzentrieren können.

In der Familienberatung klären wir mit den Familien konkrete Fragen, die den Alltag blockieren: Welche Leistungen stehen zu? Welche Unterlagen fehlen? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll? Wir unterstützen bei Anträgen, begleiten bei Bedarf zu Behörden und schaffen Orientierung im Schul‑ und Bildungssystem – vor allem sind wir aber verlässliche und langfristige Begleiterinnen. Parallel gibt es Kinderangebote während der Beratung, damit Gespräche in Ruhe stattfinden können und Kinder selbst Unterstützung und Teilhabe erleben.

Netzwerken für eine zuverlässige Versorgung

Projektbegleitend bauen wir Netzwerke mit Ansprechpartner*innen in der Stadt und anderen Organisationen aus, damit Familien nicht an Zuständigkeiten scheitern, sondern verlässlich begleitet werden – unter anderem in Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialamt, Jobcenter und dem Koordinierungsbüro im Bahnhofsviertel.

Wir erreichen die Frauen* über unsere langjährige Beziehungsarbeit, aufsuchende Kontakte in Prostitutionsstätten, Mund‑zu‑Mund‑Propaganda sowie unsere offene Anlaufstelle. Digitale Beratung ergänzt die Angebote, damit auch Familien mit eingeschränkter Mobilität teilhaben können. Das Projekt ist im Frühjahr 2026 gestartet und wird von Aktion Mensch in den kommenden fünf Jahren gefördert.

Laura Wuttke