Lovestories 2026: PX macht Perspektiven von Frauen* in der Prostitution sichtbar

PRESSEMITTEILUNG vom 17.02.2026

Frankfurt am Main, 14. Februar 2026 – Prostitution wird häufig in Schlagworten verhandelt: selbstbestimmte Sexarbeit hier, Opferbild dort. Das PX Sozialwerk setzt dem ein anderes Format entgegen. Bei „Lovestories 2026“ in der Matthäuskirche Frankfurt standen am Valentinstag die Perspektiven von Frauen* im Zentrum, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben – in Ton- und Video-Interviews, eingebettet in kurze Einordnungen zur Prostitution in Deutschland.

„Keine Frau ist wie die andere“

„Bei Lovestories war es schon immer unser Wunsch, nicht unsere eigenen Meinung oder Position darzustellen, sondern euch zu ermöglichen, eigene Eindrücke zu gewinnen und euch dann mit diesen Eindrücken und Geschichten eine eigene Meinung zu bilden“, leitete PX-Geschäftsführerin Laura Wuttke den Abend ein. Gerade weil öffentliche Debatten häufig polarisieren, wolle man die Zwischenräume sichtbar machen: „Wir wollen heute Abend darauf aufmerksam machen, dass es zwischen der selbstbestimmten Sexarbeit auf der einen und dem Opferbild auf der anderen Seite einen riesengroßen Graubereich gibt. Die Realität ist: Keine Frau ist wie die andere“, so Wuttke.

In Video- und Toninterviews berichteten Frauen* über Herausforderungen, Strategien im Alltag und Perspektiven auf Unterstützung. In einem Video-Interview schildert eine Frau ihren Einstieg in die Prostitution: „Ich habe sehr jung angefangen. Mit 13 Jahren in meinem Heimatland.“ Eine weiterer Frau beschreibt die Arbeit im Bordell: „Die Frauen haben kein gutes Leben im Bordell. Die Arbeit ist psychisch und physisch sehr schwer, viele Mädchen macht das kaputt – es ist wie ein Feuer.“

Zur Einordnung verwies PX auf Daten des Statistischen Bundesamts: „In Deutschlang arbeiten laut Statistischem Bundesamt etwa 32.000 offiziell registrierte Menschen in der Prostitution. Die Dunkelziffer wird jedoch um ein Vielfaches höher geschätzt“, erklärte Lisa Wahl, Projektkoordinatorin bei PX. „Rund 75 Prozent der registrierten Prostituierten sind zwischen 21 und 44 Jahre alt.“ Gleichzeitig betont PX: Zahlen können die Vielschichtigkeit der Lebenslagen nicht abbilden – genau deshalb setzt „Lovestories“ auf Stimmen und Geschichten.

So erreicht PX Frauen* in der Prostitution

Damit aus Kontakt Unterstützung werden kann, arbeitet PX dort, wo die Frauen* arbeiten und baut Beziehungen über längere Zeit auf. Seit 2015 besuchen Mitarbeiterinnen im Rahmen der aufsuchenden Arbeit zweiwöchentlich Frauen* in Prostitutionsstätten im Rhein‑Main‑Gebiet – u. a. in Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Darmstadt. Im Zentrum stehen dabei Beziehungsarbeit, das Aufbauen von Vertrauen und verlässliche Ansprechpersonen. Ergänzend betreibt PX im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Drop‑In‑Center als niedrigschwelligen Ort für Schutzraum, Gespräch und praktische Unterstützung. Ziel ist es, Frauen* mit Wertschätzung, auf Augenhöhe zu begegnen und sie zu ermutigen, ihre Leben selbstbestimmt zu leben. „Ich wollte diese Arbeit nicht mehr machen“, erzählte eine Frau im Video. Mit PX hat sie ein neues Leben außerhalb der Prostitution begonnen. „Gott sei Dank habt ihr angefangen mich zu besuchen. Bevor ich euch kennenlernte, wusste ich nicht, was ich machen soll.“

Laura Wuttke